Radiotexte

Fröhliche Betriebsweihnacht

Was man besser lassen sollte...


 

Liebe Freunde der Betriebsweihnacht,

wenn wir in diesen Tagen zusammenrücken, um gemeinsam das Funkeln des betrieblichen Weihnachtsbaumes zu erleben, wollen wir uns leiten lassen vom Gedanken der Harmonie. Ė Harmonie, Harmonie, Harmonie, die Richtschnur für jedes Betriebsfest aus weihnachtlichem Anlass.

Die weihnachtliche Harmonie im Betrieb ist ein zerbrechliches Gut. Zerstören Sie sie nicht am Beginn einer Weihnachtsfeier mit der Frage:

 

Ey Chef, wer träscht mich nachher heim?

 

Sie setzen sich dem Verdacht aus, die Harmonie hintanzustellen und nur die Verkostung alkoholischer Getränke im Sinn zu haben. Vermeiden Sie auch Disharmonien beim Gespräch über das weihnachtliche Menü.

 

Guck dir des Büffet mal aa, da kannste sehe, was e Wirtschaftsflaute ist!

 

Harmonie kann empfindlich gestört werden durch unbedachte Äußerungen über Kollegen aus anderen Abteilungen.

 

Na, ihr Staubflocke aus de Buchhaltung, einmal im Jahr sieht mer euch auch, wennís was für umsonst gibt.

 

Eine solche Äußerung wird auf der gepflegten Betriebsweihnacht als proletenhaft und absolut unharmonisch empfunden. Vermeiden Sie Vergleiche zwischen dem dienstlich errichteten Tannenbaum und Ihrer Firma.

 

An dem Baum kannste sehe, was de saure Resche anrischte kann. Der hängt ja so dorsch, dass er Vorstandsvorsitzende wern kann bei uns.

 

Eine solche Äußerung widerstrebt der Harmonie einer Betriebsweihnacht und ist Ihrer Karriere nicht förderlich. Vermeiden Sie Gespräche über die Kinder Ihrer Kollegen, insbesondere Ihrer Vorgesetzten.

 

Na, ist Ihrer aach dorch den PISA dorschgerasselt? E bissie zurückgeblibbe war er ja schon immer.

 

Bedenken Sie: PISA und ähnliche Studien, die auf eine verminderte Leistungsfähigkeit der Kinder von Führungskräften schließen lassen, sind kein Thema einer harmonischen Betriebsweihnacht. Klopfen Sie sich vor allem nicht auf die Schenkel, falls das Gespräch doch auf die Kinder Ihrer Vorgesetzten kommt.

Falls Sie Weihnachtsgedichte aufsagen dürfen, halten Sie sich an den Originaltext. Sie können sich leicht in der Tonart vergreifen und die festliche Harmonie stören, wenn Sie etwa sagen:

 

Vom Vorstand hoch, da komm ich her,

ich kann euch sagen, euch gibtís bald nicht mehr.

 

Es versteht sich von selbst, dass Sie auf einer harmonischen Weihnachtsfeier nur so viel trinken, wie Sie mit Sicherheit vertragen. Greifen Sie widrigenfalls niemals nach dem Tannenbaum, um sich festen Halt zu verschaffen. Die Harmonie Ihres Festes wird jäh gestört, wenn Sie mitsamt festlich geschmückter Tanne in die Kantine stürzen und anschließend mit Lamettaresten im Haar das Fest verlassen.

Selbst wenn die Betriebsfeier aus weihnachtlichem Anlass Längen zeigt, bewahren Sie Harmonie und Ruhe. Vertreiben Sie Langeweile nicht etwa, indem Sie dicke Zigarren anzünden und sagen:

 

Jetzt will ich doch emal gucke, wann der Rauchmelder anspringt.

 

Sie könnten zwar bei der allgemeinen Unruhe im Angesicht der anrückenden Feuerwehr der Betriebsweihnacht fast unerkannt entkommen, der Fortsetzung Ihres Arbeitsverhältnisses wäre diese Aktion aber nicht zuträglich.

In diesem Sinne ... eine harmonische Betriebsweihnacht.

Ende einer Betriebsweihnacht

© Uwe Fritzsche 2002

In einer Funkbearbeitung gesendet in HR 1 - meridian

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