ZEUGNIS


    Herr X. bewies einen hervorragenden Familiensinn, der alle Achtung wert ist. So verstand er es immer, die dienstlichen Obliegenheiten so einzurichten, dass er den Kindern schon am frühen Nachmittag eine Stütze bei der Bewältigung ihrer Hausaufgaben sein konnte.

    Dem entspricht auch das feine Gespür, das Herr X. für die Stimmungen in der Belegschaft entwickelte. So empfand er seine Anwesenheit in arbeitsreichen Situationen häufig als störend und richtete sein Verhalten in vorbildlicher Weise darauf ein.
    Herr X. geht auch dadurch immer mit gutem Beispiel voran, dass er deutlich macht, wie der eigene Arbeitsplatz verschlankt werden könnte. Besonders erwähnenswert ist, dass er sich dabei nie in den Mittelpunkt des Interesses stellt. Vielmehr beschränkt er seine Tätigkeit beinahe wortlos und ohne Anerkennung zu erheischen auf das Unumgängliche.

    Besonders angenehm fällt Herr X. auch durch die Geräuschlosigkeit seiner Anwesenheit auf. In bewährter Weise verhält er sich zurückhaltend und bescheiden. Immer ist er darauf bedacht, seine Tätigkeit so zu gestalten, dass sie Dritte unbeeinträchtigt lässt.
    Bewundernswert ist die unendliche Geduld, die Herr X. mit seinen Arbeitstagen aufzubringen versteht. Er ist wahrhaft ein ruhender Pol, ohne den kein Unternehmen abschreibungsfähige Beträge beim Finanzamt erzielen könnte. Herr X. ist auf diese Weise in der Lage, jedes Unternehmen in steuerlich günstigere Kategorien zu führen, was ihm umso höher anzurechnen ist, als diese Art der Steuerminderung keinerlei zusätzliche Investitionen erfordert.

    Wir danken Herrn X. für das ausserordentliche Engagement in unserer Betriebskantine und die Umsätze, die er vor allem mit dem sogenannten "Hörnerwhisky" erzielte. Erhebliche Teile seine Einkommens flossen auf diese Weise ins Unternehmen und in Herrn X. zurück. Aus diesen Mehreinnahmen ließen sich sogar die Zusatzeinsätze des Reinigungsdienstes finanzieren, die gelegentlich erforderlich wurden, wenn sich Herr X. über menschliche Belastungsgrenzen hinaus für die Belange der Kantine engagiert hatte.

    Wir wünschen ihm viel Erfolg und würden es begrüßen, wenn er insbesondere bei unseren direkten Mitbewerbern einen möglichst hoch dotierten Posten bekommen würde. Es entspräche der Selbstlosigkeit von Herrn X., wenn er auf diese Weise auch nach seinem Ausscheiden die Wettbewerbsfähigkeit unseres Hauses stärken würde.

 

© Uwe Fritzsche 2002